D&O Versicherung

Wozu dient eine D&O Versicherung?

Bei der D&O Versicherung handelt es sich um eine Form der Berufshaftpflichtversicherung. Das Kürzel D&O steht dabei für "Directors and Officers", was gemäß amerikanischem Sprachgebrauch die Vorstände und Aufsichtsräte eines Unternehmens nach dem deutschen Rechtssystem erfasst. Mit anderen Worten ist die Directors & Officers-Versicherung eine Berufshaftpflichtversicherung für Manager, weshalb sie oft auch als Managerhaftpflicht-Versicherung bezeichnet wird.

Weitere Bezeichnungen für eine D&O Versicherung

  • Unternehmensleiter-Haftpflicht-Versicherung
  • Organhaftpflicht-Versicherung,
  • Vorstands-Haftpflicht-Versicherung
  • Geschäftsführer-Haftpflicht-Versicherung
  • Berufshaftpflicht-Versicherung für Manager
  • Managerhaftpflicht-Versicherung

Eine D&O Versicherung versichert

Sämtliche Tätigkeiten der versicherten Personen, vom operativen Geschäft bis hin zu strategischen Entscheidungen. Eine Branchenbeschränkung gibt es nicht. Ferner wird nicht zwischen Profit- und Non-Profit-Unternehmen unterschieden. Umfasst sind im Rahmen der Firmendeckung grundsätzlich Schadenersatzansprüche aus dem Innen- sowie Außenverhältnis. Etwa dann, wenn das Unternehmen vom eigenen Management Schadenersatz fordert. In etwa 80 Prozent der Fälle handelt es sich um Schadenersatzansprüche aus dem Innenverhältnis. Außenansprüche werden zumeist von Geschäftspartnern, Wettbewerbern oder von Behörden wie dem Finanzamt gestellt.

Wer eine D&O Versicherung benötigt

Jedes Unternehmen - von der Mini-GmbH bis hin zu weltweit agierenden Aktiengesellschaft. Zielgruppe dieser Absicherungsvariante sind in erster Linie Beiräte, Geschäftsführer, Vorstände, Aufsichtsräte sowie Manager, welche nach dem Gesetz alle persönlich haften. Mitversichert werden sollten allerdings auch Generalbevollmächtigte, Betriebsleiter sowie leitende Angestellte. Bei Körperschaften, Genossenschaften sowie Vereinen gilt zudem "Ehrenamt schützt nicht vor Haftung". Aber auch bei leitenden Tätigkeiten in Sportvereinen, Stiftungen und weiteren gemeinnützigen Institutionen sollte die persönliche Haftung mit einer D&O Versicherung abgesichert werden. Kommunen, Parteien und Gewerkschaften können sich hingegen nicht versichern.

Aufgaben einer D&O Versicherung

Die D&O Versicherung übernimmt im Wesentlichen für das Organmitglied drei wichtige Aufgaben, sofern der Vorwurf einer begangenen Pflichtverletzung einen Vermögensschadenanspruch zur Folge hat:

Prüfung

Als erstes wird geklärt, ob und in welcher Höhe eine Verpflichtung zum Schadenersatz vorliegt.

Zahlung

Ist der Anspruch berechtigt, begleicht der Versicherer den entstandenen Schaden bis zur Höhe der Versicherungssumme.

Abwehr unbegründeter Ansprüche

Ergibt die Prüfung durch den Versicherer, dass Sie zu Unrecht in Anspruch genommen worden und die gestellten Forderungen nicht berechtigt sind, werden anfallende Verfahrens- und Abwehrkosten übernommen. Hierunter fallen Anwaltshonorare, Wirtschaftsprüferkosten, Sachverständigenkosten, Zeugen- und Gerichtskosten, Schadenminderungskosten, Schadenermittlungskosten sowie Reisekosten.

Sieht eine D&O Versicherung Selbstbehalte vor?

Vorstandsmitglieder von Aktiengesellschaften sollten stets eine private Zusatzversicherung abschließen, zumal der Gesetzgeber seit 2010 im Haftungsfall eine Selbstbeteiligung von 10 Prozent vorsieht (max. 1,5-faches Jahresbrutto). Dieser Pflicht-Selbstbehalt (VorstAG) gilt unabhängig davon, ob das Unternehmen börsennotiert ist oder nicht. Absichern lässt sich der Selbstbehalt etwa über eine D&O Selbstbehaltsversicherung oder eine Eigenversicherung. Sämtliche anderen Organe, GmbH-Geschäftsführer, leitende Angestellte etc. müssen einen Selbstbehalt nicht tragen. Neben diesem gesetzlichen Selbstbehalt sind in der Regel keine vertraglichen Selbstbehalte vorgesehen.

Welche Vorteile haben Manager von einer D&O Versicherung?

Der größte Vorteil einer D&O Versicherung ist für den Versicherten in der Freistellung von Haftungsansprüchen sowie dem Schutz des Privatvermögens zu sehen. Schließlich sind Berufstätige in Führungspositionen gesamtschuldnerisch für die Fehler von Kollegen im Management verantwortlich. GmbH-Geschäftsführern verschafft eine D&O Versicherung Haftungsfreistellung für den Fall, dass diese seitens der Gesellschafter versagt werden sollte.

Welche Vorteile haben Unternehmen von einer D&O Versicherung?

Das Bestehen einer D&O Versicherung sorgt für Bilanzschutz, denn Schadenersatzforderungen gegen Unternehmensleiter sowie Manager können sich als existenzbedrohend erweisen. Dies gilt gerade dann, wenn hohe Schadenssummen aus Haftungsfällen die eigene Leistungsfähigkeit übersteigen. Eine D&O Versicherung verhindert erfolglose Vollstreckungen gegen das Management und sichert auf diese Weise den Fortbestand des Unternehmens. Nicht zu unterschätzen sind ferner mögliche Auswirkungen auf das eigene Image. Gute D&O Policen treten bereits beim Verdacht auf eine drohende Inanspruchnahme für den Versicherten ein. Umfasst sind dann etwa Unterstützungsleistungen durch Fachjuristen, die Kostenübernahme für anwaltliche Beratungen sowie der Abwehrschutz.

Warum Sie eine D&O Versicherung benötigen

Jährlich werden in Deutschland allein gegen Geschäftsführer einer GmbH mehr als 10.000 Schadenersatzprozesse angestrengt. Demnach gibt es vielfältige Managementfehler, die für das Unternehmen Schäden in Millionenhöhe entstehen lassen können. Beispiele können sein:

Beispiel 1:

Ein Konzern besitzt eine Tochtergesellschaft mit 100 Angestellten, die liquidiert werden soll. Der GmbH-Geschäftsführer verhandelt mit den Angestellten die Höhe ihrer Abfindungen. Aufgrund der Umständlichkeiten, die mit dem Wechsel des Arbeitgebers verbunden sind, erhalten weiterhin im Konzern beschäftigte Mitarbeiter eine Abfindung in Höhe von 50.000 Euro. Die Angestellten, die hingegen das Unternehmen verlassen, bekommen im Schnitt 150.000 Euro. Nachdem die Gesellschaft abgewickelt wurde, wird in den Abfindungsverträgen der weiterhin beschäftigten Angestellten ein Formfehler entdeckt, der die Verträge unwirksam macht. Im Gerichtsprozess entscheidet das Amtsgericht, dass auch diesen eine Abfindung von 150.000 Euro zustehe. Insgesamt entsteht dem Konzern so aufgrund des Formfehlers ein Schaden von 5 Mio. Euro.

Beispiel 2:

Der Geschäftsführer eines Krankenhauses wird mit der Planung und Umsetzung der Krankenhauserweiterung beauftragt. Für den Neubau ordert er so unter anderem maßgeschneiderte Regalsysteme, die nachfolgend stabil und fachgerecht montiert werden. Doch bei der Baumaßnahme stellt sich heraus, dass die Regalsysteme nicht den geltenden Brandschutzvorschriften genügen. Der anschließende Ausbau der Regale sowie der Einbau des neuen Regalsystems kommt dem Geschäftsführer mit 650.000 Euro teuer zu stehen. Schließlich hätte er im Rahmen der Auftragsvergabe sicherstellen müssen, dass die Brandschutzvorschriften eingehalten werden.

Viele Pflichtverletzungen erweisen sich nur nach vielen Jahren als solche. Aus diesem Grund sind bei der D&O Versicherung auch Managementfehler abgedeckt, die zwar vor Abschluss des Vertrages stattgefunden haben, jedoch bei Unterzeichnung noch nicht bekannt waren.

Worauf Sie bei der Auswahl einer D&O Versicherung achten sollten - Mindeststandards

Eine große Zahl an Anbietern und eine noch größere Zahl an Tarifen macht die Wahl einer geeigneten D&O Versicherung schwer. Bei genauerer Betrachtung ergeben sich teils deutliche Qualitäts- und Preisunterschiede.

Eine D&O Versicherung sollte folgende drei relevante Risikobereiche abdecken:

Vermögensschadenhaftpflicht

Hierbei handelt es sich um den wichtigsten Baustein einer D&O Versicherung. Versichert hierüber sind zivilrechtliche Ansprüche eines Unternehmens gegen seine Organe (Innenhaftung). Aber auch die Außenhaftung und damit Ansprüche von Dritten gegen die Organe des Unternehmens sind abgedeckt. Der Versicherungsschutz erstreckt sich auf den geltend gemachten Anspruch sowie daraus resultierende Abwehrmaßnahmen, also Anwalts- und Gerichtskosten.

Strafrechtsschutz

Eine Strafrechtsschutz-Versicherung für die Führungskräfte des Konzerns sollte ebenfalls enthalten sein. Diese greift bei strafrechtlichen Prozessen.

Anstellungsvertrags-Rechtsschutz

Kommt es zwischen Manager und Arbeitgeber zu einer arbeitsrechtlichen Auseinandersetzung, springt der Anstellungsvertrags-Rechtsschutz ein. Dessen Schutz erstreckt sich allerdings ausschließlich auf den Manager, nicht das Unternehmen. Dies ist der Grund, weshalb die D&O Versicherung nur für die Kosten aufkommt, die dem versicherten Manager zur Last fallen würden. Dies gilt auch bei außergerichtlichen Verfahren. Weil der Manager selbst die versicherte Person ist, schließt dieser die Police für sich selbst ab.

Konkret sollte eine D&O Versicherung mindestens folgende Leistungsinhalte vorsehen:

  • Versicherungssumme von mindestens 500.000 Euro
  • Weitgehender Kreis mitversicherter Personen (Generalbevollmächtigte, Prokuristen, Kontrollorgane, Compliance Beauftragte etc.)
  • Mitversicherung von bestehenden, hinzukommenden sowie ausscheidenden Tochtergesellschaften
  • Versicherungsschutz besteht für die Kosten im Rahmen einer aufsichtsrechtlichen Sonderuntersuchung
  • Juristische Unterstützung für Firmenstellungnahmen
  • Versicherungsschutz für operative Tätigkeiten
  • Versichert gelten sowohl die Innen- wie auch Außenhaftung
  • Unbegrenzte Nachhaftung nach Vertragsbeendigung bei Schäden während der Vertragslaufzeit
  • Unbegrenzte Rückwärtsversicherung für Versicherungsfälle mit Pflichtverletzung vor Vertragsschluss (Claims-Made-Prinzip). Beachte: Bei einer persönlichen D&O Versicherung gilt zumeist das Verstoßprinzip. Danach muss die Pflichtverletzung im Vertragszeitraum erfolgt sein.
  • Minderung oder Abwehr von Reputationsschäden (ohne Anrechnung der Abwehrkosten auf die Versicherungssumme); Mindestversicherungssumme: 250.000 Euro
  • Kosten zur Abwehr bei Personen- und Sachschäden (zusätzlich zum Vermögensschaden) in Höhe von mindestens 2 Mio. Euro
  • Versicherungsschutz für ausgeschiedene Organe; mindestens 100.000 Euro Versicherungssumme
  • Insolvenzklausel - eine Kündigung des Versicherers bei Beantragung der Insolvenz einer Tochtergesellschaft bleibt ausgeschlossen
  • Schadenersatzansprüche wegen einem Verstoß gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG)

Nicht alles ist versichert, besonders nicht bei niedrigpreisigen Tarifen, dies gilt zum Beispiel für:

  • Wissentliche Pflichtverletzung und vorsätzliche Schadenverursachung. Aber: Der Versicherungsschutz erstreckt sich bei manchen Tarifen auch auf bedingt vorsätzliche Pflichtverletzungen (bedingter Vorsatz). Es darf sich aber grundsätzlich nicht um eine Ordnungswidrigkeit oder Straftat handeln.
  • Mitversicherung bis mindestens 250.000 Euro von Gehaltsfortzahlungen und psychologische Unterstützung
  • Mitversicherung von Tätigkeiten als Organmitglied in externen Unternehmen/Vereinen für alle Fremdmandate (Leitungs- sowie Aufsichtsmandat)
  • Gründungsphase einer Tochtergesellschaft
  • Zurechnungsklausel - Verhalten, Kenntnis und Verschulden anderer mitversicherter Personen bleiben unberücksichtigt (Ausnahme: Repräsentanten)
  • Allokationsschäden (Mischung aus versicherten und nicht versicherten Sachverhalten)
  • Weltweiter Versicherungsschutz auch für Ansprüche in den USA, Kanada und Common-Law-Ländern (sogenanntes US-Risiko)
  • Kosten für die Verteidigung im Arrest- und Auslieferungsverfahren
  • Notfallkosten bei Verzögerung notwendiger Verteidigungsmaßnahmen durch einen Rechtsanwalt
  • Sicherheitsleistung (Kaution)
  • Rechtswidrige oder ungerechtfertigte Bereicherung
  • Abwehrkosten gegen ein Tätigkeitsverbot
  • Unterlassungs- und Auskunftsansprüche
  • Rufschädigung mit Übernahme der Kosten für eine Privatklage
  • Verzicht auf eine Kündigung im Schadensfall
  • Rückforderungsverzicht übernommener Abwehrkosten
  • Gehaltsfortzahlung bei Aufrechnung
  • Reisekosten versicherter Personen und Angehöriger
  • Bei Bedarf steht die Versicherungssumme auch 2-mal im Jahr zur Verfügung
  • Restrukturierungsversicherung (Restructuring Cover): Juristische Beratung bei drohender Insolvenz

Was eine D&O Versicherung kostet:

Die Kosten einer D&O Versicherung variieren sehr stark. Preisgünstige Tarife sind bereits für unter 500 Euro bei einer Versicherungssumme von 100.000 Euro erhältlich. Bei größeren Unternehmen könnte diese Summe jedoch zu knapp bemessen sein. Nach oben hin sind dem kaum Grenzen gesetzt. Die Höhe der Kosten hängt nicht zuletzt sehr stark von der Höhe der Versicherungssumme sowie der Anzahl der Mandate und demnach der mitversicherten Personen ab. Auch die wirtschaftliche Situation ist ein wichtiger Parameter. Darüber hinaus ist selbstverständlich auch der Leistungsumfang ausschlaggebend. Sehr leistungsstarke Tarife bewegen sich preislich oft zwischen 2.000 Euro und knapp 15.000 Euro pro Jahr. Ein Unternehmen mit einer Bilanzsumme von 25 Mio. Euro muss bei einer Versicherungssumme von 2,5 Mio. Euro mit einer jährlichen Nettoprämie von etwa 7.000 Euro rechnen. Für ein Unternehmen mit 50 Mio. Euro Versicherungssumme erhöht sich die Prämie um ungefähr 1.000 Euro. Versicherungsunternehmen prüfen hierbei vor Vertragsabschluss nicht nur die Versicherungssumme. Ebenso auch Geschäftsberichte des Unternehmens, beurteilen die Qualifikation der Organmitglieder, kalkulieren Branchenrisiken ein und verteilen Ab- und Zuschläge für die Dauer der Existenz und die Eigentümerstruktur des Unternehmens. Start-Ups müssen etwa mit teils deutlich höheren Kosten (ca. 20 Prozent) rechnen. Fusionen, Firmenübernahmen oder -verkäufe in naher Vergangenheit stellen für die Versicherer oft ein höheres Risiko dar, was nicht selten in Zuschlägen mündet. Einige Versicherer tarifieren zudem den Handel mit Anteilen eines Unternehmens individuell. Hinweis: Tochtergesellschaften anderer Unternehmen werden längst nicht immer versichert.

Ein besonders hohes Risiko stellen für den Versicherer nicht selten folgende Branchen dar:

  • Rechtsanwalt, Steuerberater und/oder Wirtschaftsprüfer
  • Architekt, Ingenieur und/oder Bauingenieur
  • Profisport
  • Pharma und/oder Biotechnologie
  • Finanzdienstleister (wie z.B. Bank, Versicherungsmakler, Finanzanlagenvermittler usw.)
  • Erneuerbare Energie (wie z.B. Windkraft, Geothermie, Photovoltaik, Solaranlagenbau usw.)
  • Hoch- und Tiefbau
  • Bauträger
  • Emissionshandel
  • Energieerzeuger und/oder Energieversorger
  • Flughafen und/oder Fluggesellschaften
  • Krankenhaus
  • Spedition und/oder Schifffahrt
  • Tabakhersteller und/oder Tabakgroßhändler
  • Glücksspiel

Über welchen Zeitraum erstreckt sich der Versicherungsschutz?

Zumeist beläuft sich die Mindestlaufzeit einer D&O Versicherung auf ein Jahr. Geht keine Kündigung ein, verlängert sich der Vertrag in der Regel stillschweigend um ein weiteres Jahr. Die Kündigungsfrist beläuft sich dabei oft zwischen einem und drei Monaten. Ist der Leistungsfall eingetreten, können Sie von einem außerordentlichen Kündigungsrecht Gebrauch machen. Automatisch endet die D&O Versicherung dann, wenn das Unternehmen mit einem anderen Unternehmen fusioniert, dieses insolvent ist oder liquidiert wird. Gleiches gilt auch bei einer Übernahme.

Ergänzende und zusätzlich sinnvolle Versicherungen:

  • Berufshaftpflichtversicherung
  • Diensthaftpflichtversicherung
  • Betriebshaftpflichtversicherung
  • Vermögensschaden-Rechtsschutzversicherung
  • Betriebsunterbrechungsversicherung
  • Sachversicherung
  • Produkthaftpflicht